Die Kaufmannschaft zu Lübeck vergibt seit 1990 den „Architekturpreis für Gewerbebauten”. Ziel ist es, ein Bauwerk in der Region Lübeck auszuzeichnen, um die Öffentlichkeit und die Fachwelt auf die Bedeutung der gestalteten Umwelt und des Baugeschehens unserer Zeit aufmerksam zu machen.
Wir haben mit unserem Neubau diesen „Architekturpreis für Gewerbebauten“ der Kaufmannschaft zu Lübeck gewonnen!
In diesem Jahr wurde der Preis unter dem Motto „beautiful-sustainable-together“ ausgelobt und zeichnet insbesondere den gelungenen Einklagt der ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Nachhaltigkeitsaspekte am Bau aus.
Für die Verleihung kam die Kaufmannschaft zu Lübeck mit Teilen des Vorstands und der Architekturpreisjury am 8. März zu uns in die Schmiedekoppel und wir haben den Preis in Form einer Plakette gemeinsam am Haupteingang angebracht.
Hier ein paar Worte zu unserem Neubau und mehr dazu, welche Überlegungen bei der Planung eine maßgebliche Rolle gespielt haben:
Seit über 30 Jahren hat die claus rodenberg gruppe schon ihren Sitz in Kastorf. Als Dienstleister der Wald- und Holzwirtschaft ist das Unternehmensziel, den Wald zu pflegen, zu bewirtschaften und den erneuerbaren Rohstoff Holz zu nutzen. Mit wachsenden Geschäftsfeldern und zu bewegender Holzmenge wuchs auch die Waldkontor-Familie, weshalb die Entscheidung fiel, das bestehende Bürogebäude durch einen angegliederten Neubau zu erweitern. „Alles aus einer Hand, alles rund um den Wald und für eine sinnvolle Nutzung“, mit diesem Motto kann man nicht nur unser Unternehmensziel, sondern auch den Leitfaden für die Konzeption des Neubaus beschreiben.
Der erneuerbare Rohstoff Holz mit seinen vielfältigen Eigenschaften steht im Zentrum und hat mit seiner Materialität maßgeblich die Entwicklung des Projekts bedingt. Der Neubau war eine Herzensangelegenheit, welches nicht nur den funktionalen und ästhetischen Ansprüchen, sondern auch dem Anspruch an Innovation und Zukunftsfähigkeit standhalten musste. Ein Architekt muss Visionär im Sinne derjenigen sein, die das Gebäude mit Leben füllen. Darum sollte das Bürohaus für die Mitarbeiter und dabei auf eine Weise konzipiert werden, die nicht nur ein ideales Arbeitsumfeld schafft, sondern auch jedem ermöglicht, sich während seiner Arbeitszeit so wohlzufühlen wie zu Hause. Ein Unternehmen hat aber auch Verantwortung für den Erhalt der Gesundheit seiner Mitarbeiter, die einen wesentlichen Teil des Tages im Büro verbringen, genauso wie der Umwelt und Gesellschaft gegenüber durch den schonenden Umgang mit Ressourcen und klimafreundlichen Nutzungsstrategien.
Holz am Bau, Nachhaltigkeit und Innovation waren die drei Kernansprüche, welche es galt im Gesamtzusammenhang mit Ästhetik, skulpturaler Kunst und Wertigkeit umzusetzen. Hierdurch konnte ein Vorzeigeobjekt geschaffen werden, welches sich der besonderen Herausforderungen des Baustoffes Holz annimmt. Der konstruktive Holzschutz bedingt maßgeblich die Formgebung und führt zu einer Reihe von positiven Nebeneffekten, wie dem geringeren Bedarf an künstlicher Kühlung, überdachten Parkplätzen und geschützten Terrassenflächen, welche durch die bauliche Verschattung des Erdgeschosses erreicht werden. Die Gestaltungshaltung ist gesamtheitlich von großer Klarheit geprägt. Besonders im Vordergrund stehen sollte natürlich – als unser eigenes Produkt – das verarbeitete Holz und die vielfältige Weise, auf die es eingesetzt werden kann. An vielen prominenten Stellen wurde gezielt solches Holz verbaut, welches aufgrund von optischen Mängeln wie Ast-löchern, Faulstellen oder sichtbarem Wurmfraß normalerweise nicht als sichtbare Holzelemente zum Einsatz gekommen wäre. Grund dafür war nicht nur der Aspekt Nachhaltigkeit, sondern auch die Überzeugung, dass gerade dieses Holz dem Gebäude eine zusätzliche Lebendigkeit und bodenständigen Charme verleiht. Dass vor allem Sägeholz von Lieferanten verwendet wurde, welche ihrerseits zuvor von uns beliefert wurden, ist ein weiterer Bestandteil der Identitätsarchitektur. Alle beteiligten Firmen und Handwerksbetriebe kommen aus der Region, was nicht nur lange Anfahrts-wege vermeidet, sondern auch die lokale Wirtschaft unterstützt hat. Auch die Zukunftsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit musste gut durchdacht und durchgerechnet werden. Für ein nachhaltiges Energiekonzept fiel die Entscheidung auf ein Zusammenspiel von eigener Photovoltaikanlage (70.000kwh/p.a.) auf dem Dach und einer von ihr betriebenen Luft-Wasser-Wärmepumpe. Diese versorgt im Haus sowohl eine Fußbodenheizung als auch Kühlpanele, welche anstelle einer herkömmlichen Klimaanlage verbaut sind. Durch moderne Dämmung und dem Vermeiden von unnötigen Raumtemperaturschwankungen ist dieses Modell besonders ressourcenschonend und somit sowohl ökonomisch klug als auch klimafreundlich. Ökologische, ökonomische und soziale Ansprüche wurden hier in Einklang gebracht.
Insgesamt hat der Neubau 825 m² Gesamtfläche mit 10 Räumen im Erdgeschoss und 12 Räumen im Obergeschoss auf einer Grundstücksfläche von insgesamt 2995 m². Für den Abbund wurde Fichtenholz verwendet. Das Konstruktionsvollholz dafür stammt aus Deutschland und zum Teil aus Österreich. Im Rohbau wurden knapp 400 Kubikmeter Bauholz verbaut; insgesamt kommt der Neubau auf 500 Kubikmeter, was zu einer Speicherung von etwa 500 Tonnen CO² führt. Am Gebäude wurden ca. 230 m² Fensterflächen in hochdämmender 3-fach Verglasung in Holz-Aluminium Bauweise gefertigt und aus massivem naturbelassenem europäischem Eichenholz, welches von außen mit wetterschützendem Aluminium verkleidet ist. Der hohe Lichteinfall durch bodentiefe Fenster und das offene Raumkonzept fördern eine positive Arbeitsatmosphäre und die sichtbaren Glasflächen ergänzen stimmig die Materialität des Holzes. Große Teile der Fassade sind mit Lärchenholz verschalt. Um dieses vor Nässe und Sonneneinstrahlung zu schützen, ragen das Obergeschoss und das Flachdach weit über die Gebäudegrundfläche heraus. Als zusätzlicher Sonnenschutz wurden elektrisch gesteuerte Raffstoreanlagen montiert, die den Licht- und Wärmeeintrag in das Gebäude steuern können. Die Heizung und Kühlung der Räume, sowie die Ansteuerung der Sonnenschutzanlage an den Fenstern wird über Smart-Home gesteuert. Das System sorgt ebenfalls für die automatisierte Bedienung der Beleuchtungseinrichtungen. Überall im und um das Gebäude installierte Kunst am Bau in Form von Malerei, Drucken und Plastiken, veredelt das Objekt nochmals und wer unseren Neubau in Kastorf betritt, kommt nicht umhin, die besondere Liebe zum Detail und die damit verbundene Fürsorge den dort arbeitenden Kollegen gegenüber wahrzunehmen.
Wir sind stolz, dass wir als diesjähriger Preisträger ein Zeichen für zukunftsweisenden Gewerbebau setzen konnten.





